Das Fort Breendonk als Teil des Antwerpener Fortgürtel

Die ersten Verteidigungslinien

Ab 1859 begann man mit dem Bau der „Großen Umwallung“, den sogenannten „Brialmont-Forts“, benannt nach ihrem geistigen Vater, dem Geniegeneral Henri Alexis Brialmont. Sie bestanden aus einem Erdwall auf einem backsteinernen Unterbau mit einem breiten Festungsgraben davor. Dieser erste Fortgürtel musste die Stadt Antwerpen (Hafen) verteidigen und bestand aus 8 Forts. Antwerpen fungierte als Nationaler Rückzugsort, der Ort, an dem der König und die Armeespitze sich im Falle einer feindlichen Invasion verschanzen konnte.

Am Ende des 19. Jhd. war der erste Fortgürtel veraltet. Mit dem Gesetz vom 6. Juni 1906 plante die Regierung De Smet De Naeyer den Bau einer neuen Reihe Forts als äußersten Verteidigungsgürtel, die sogenannte Hauptwiderstandsstellung. Der Bau dieses zweiten Fortgürtels rund um Antwerpen bestand aus der Installation 11 neuer Forts aus Beton und eine Modernisierung der bereits bestehenden Forts und Schanzen. Sie lagen in einem 95 km weitem Bogen rund um Antwerpen, etwa 20 km von der Stadt entfernt.

Der Platz

Ursprünglich wurde das Fort Breendonk, ein Fort der 2. Ordnung mit Caponnièren (Vier Ausläufer an den Ecken des Forts worauf Artilleriewaffen montiert waren), gebaut als ein Fort der belgischen Armee. Das Fort von Willebroek (Breendonk) wird das südlichste Fort in diesem neuen Gürtel werden. Der Bauplatz, der für das Fort ausgesucht wurde, befindet sich im sogenannten „Schalkland“, im Süden vom Dendermondsesteenweg (Mechelen-Dendermonde). Ungeachtet der Tatsache, dass der Grund, auf dem das neue Bauwerk stehen soll, fast vollständig auf dem Grundgebiet der Gemeinde Breendonk lag, bekommt es den offiziellen Namen „Fort van Willebroek“. Graf Buisseret de Blanenghien, der ehemalige Bürgermeister von Breendonk, reichte offiziell Klage dagegen ein. Der königliche Beschluss vom 12. Januar 1907 taufte das Fort darum zu „Fort van Breendonk“ um.

Das Fort liegt in << Klein-Brabant>>, etwas weniger als 25 km vom Zentrum von Brüssel und ca. 19 km von Antwerpen entfernt.

Die Schreibweise des Namens des Dorfs Breendonk hat sich im Verlauf der Zeit sehr verändert. Im XIII. Jahrhundert hieß das Dorf „BREEDENDONK“, was soviel bedeutet wie „breiter Sumpf“. Die Schreibweise änderte sich danach in BREENDONCK und nach der Fusion der Gemeinden am 1. Januar 1977 wurde es definitiv „BREENDONK“.

Breendonk und der Antwerpener Fortgürtel

Zu Beginn des XX. Jahrhunderts entsteht die Nachfrage, einen neuen militärischen Verteidigungsgürtel zu bauen, zum Schutze der Stadt Antwerpen und dessen Hafen, als auch des „Nationalen Rückzugsortes“ (Wozu Antwerpen 1859 ausgerufen wurde, zur großen Unzufriedenheit seiner Einwohner). Verschiedene Vorschläge folgen aufeinander, unter anderem ausgehend von General Alexis de Brialmont. Letztendlich münden sie in der Genehmigung des Gesetzes bezüglich des „Plans zur Verteidigung von Antwerpen und die Entwicklung der Hafeninstallationen der Stadt“, publiziert im Belgischen Amtsblatt vom 29. April 1906.

Es bestehen verschiedene Arten von Forts. Dem militärischen Jargon dieser Zeit zufolge, spricht man von Forts der 1. und 2. Ordnung, mit angeschlossenen oder abgesonderten Caponnièren, … .

Breendonk ist ein Fort der 2. Ordnung mit angeschlossenen Caponnièren. Auf westlicher Seite befindet sich 4 km entfernt das Fort Liezele und entlang der Ostseite erreichen Sie nach 8 km das Fort von Walem. Zwischen Breendonk und Liezele liegt die Schanze Letterheide, während Breendonk und Walem durch ein Überschwemmungsgebiet voneinander getrennt sind.

Der Bau des Forts wird erst 1909 gestartet. Allein die Kosten in dieser Zeit wird auf 177.000 Frank geschätzt (umgerechnet auf heute € 116.500.000)

Das Fort wird in ungewappnetem Beton gebaut. Es wird ungefähr 41.000 m³ Beton verarbeitet und das für den Betrag von 719.385 Frank (umgerechnet auf heute € 473.760.000).

Insgesamt wird das Fort Breendonk eine Investition von ungefähr 2.200.000 Frank (umgerechnet auf heute € 1.450.000.000).

Als dann der Bau vollendet ist, wird rund um das Fort ein Graben ausgehoben, mit einer durchschnittlichen Tiefe von 3,75 Metern und einer ursprünglichen Breite von beinahe 50 Metern. Die Betonstrukturen werden mit der aufgegrabenen Grundmasse überdeckt, um das Fort vor dem Sichtfeld des Feindes zu verbergen und vor direktem Feuer zu schützen.

Technische Daten

Maße des Forts:

Maximale Breite: ca. 260 m.
Maximale Länge: ca. 106 m.
Maximale Höhe von Erde: 9,75 m.
Durchschnittliche Breite des Grabens: 40 bis 50 m.
Durchschnittliche Tiefe des Grabens: 3,75 m.
Oberfläche: 15 Hektar 90 Ar und 8 Centiar.

Die Bewaffnung

Das Fort wird mit verschiedenen Typen von Kanonen und Haubitzen ausgerüstet; insgesamt 33.

Zwei 150mm Cockerill Kanonen Modell 1909 unter der Kuppel, in der Mitte. Diese Kanonen können eine Granate mit einem Gewicht von 39 Kilo über eine Entfernung von 8.400 m abfeuern. Sie wurden geschützt durch eine stählerne Kuppel, 22 cm dick, die beinahe 55 Tonnen wiegt.

Zwei 120 mm Cockerill Haubitzen Modell 1909, die Granaten von 20 Kilos über eine Entfernung von 6.400 m abfeuern können.

Vier 75 mm Cockerill Kanonen Modell 1906 unter Kuppel, die Granaten von 5,5 kg über eine Entfernung von 6.000 m abfeuern können.

Siebzehn 57 mm Schnellfeuerkanonen vervollständigen die Bewaffnung für den nahen Schutz.

Neben den oben genannten nach Süden, also gegen einen potentiellen Feind, gerichteten Kanonen und Haubitzen, gibt es 8 andere flankierende Geschütze, die sich in der sogenannten „Traditore“-Batterie befinden. Sie sind in Richtung der benachbarten Forts gerichtet, um ihnen, wenn nötig, zur Hilfe zu kommen. Das betrifft vier 75 mm und vier 120 mm Kanonen auf einer Lafette Modell 1909.

Dieses Geschütz muss gewähren, den Feind auf Abstand von Antwerpen zu halten, doch waren die Waffen zur Zeit der Installation schon veraltet. Die Deutschen sollen 1914 die belgischen Festungen nach Herzenslust bombardiert haben können, während sie selbst außerhalb der Reichweite unserer Artillerie blieben mit ihrem schweren Geschütz von 305 mm oder sogar 420 mm…

Eine Kuppel von 15 cm Dicke kostete in dieser Zeit – ohne die Kanonen – 290.000 Frank (Zum Vergleich: ein Tageslohn eines Arbeiters beträgt damals 1 – 3 Frank).

Luftabwehrgeschütze wurden nicht vorgesehen, was normal für diese Zeit ist.

Die Besatzung

In Kriegszeiten besteht die Garnison des Forts aus ungefähr 330 Soldaten, hauptsächlich Infanteristen (80 in Friedenszeiten). Sie mussten den Zugang zum Fort verteidigen und wurden dazu auf den Dächern des Forts aufgestellt, beschützt durch die hohen Erdwälle.

Sie verfügten über 12 Schlafsäle (12 x 5,5 Meter), zwei Küchen (Soldaten und Offiziere), eine Bäckerei, Kerker (3), ein Duschraum und abgesonderte Toiletten für die Soldaten, die Offiziere und Unteroffiziere.

Der Krieg

Im Juli 1914, als der Krieg ausbricht, ist das Fort – anders als die benachbarten Forts – noch nicht fertig.

Um das Sichtfeld der Artilleristen des Forts freizumachen, hat Genieoberst Van Weyenberghe am 9. August 1914 um die 200 Häuser in der Gemeinde Willebroek abreißen lassen (Westdijk, Palingstraat, Oude Dendermondsesteenweg, Steenweg zu Tisselt).

Die Deutsche Armee fällt am 4. August 1914 in Belgien ein. Angesichts des anfänglich alleinigen Ziels, Paris so schnell wie möglich zu erreichen, geht der deutsche Vormarsch vollständig nach Süden und beschränkt sich darauf, Antwerpen abzuschirmen.

Erst am 9. September 1914 gibt die deutsche Oberste Heeresleitung (OHL) General von Beseler den Befehl, Antwerpen einzunehmen: Die Belagerungsartillerie kam durch den Fall von Namur und Maubeuge frei. Dazu schickte der General über 120.000 Männer und eine umfangreiche und mächtige Artillerie: 420 mm Kanonen, Österreichische Skoda Granatwerfer von 305 mm, 305 mm Haubitzen, 210 mm Granatwerfer, ….

Das Fort hätte wohl gegen das französische 220 mm Granatwerferfeuer bestanden, aber nicht gegen die Einschläge der deutschen 305 oder 420 mm Granaten.

Am 28 September bombardiert die Deutsche Armee zum ersten Mal die Antwerpener Forts.

Breendonk wird das erste Mal am 1. Oktober beschossen. Angesichts des Falls von Sint-Katelijne-Waver und Lier, wird Breendonk entlang der Ostflanke umzingelt.

Am 1., 6. und 8. Oktober muss das Fort Breendonk insgesamt 563 Projektile von österreichischen 305 mm Granatwerfern einkassieren, sowie Granaten, abgefeuert durch die Artillerie, die sich außerhalb der Reichweite der eigenen Artillerie befand.

Am 8. Oktober erleidet das Fort ein sehr schweres Bombardement. Es regnet 305mm Granaten und eine davon landet in einem Kamin und explodiert zwischen zwei Schlafsälen. Der Befehlshaber im Fort, Kommandant Weyns, wird sehr schwer verwundet und stirbt nicht viel später. Das Fort ergibt sich, während die Übergabe von Antwerpen schon längst vorbereitet war; am 10 Oktober ergibt sich die Stadt offiziell. Die Gemeinde Willebroek wird von dem Augenblick an durch die deutschen Truppen besetzt.

Die Zwischenkriegszeit

Nach dem Ende des Krieges im Jahre 1918 nutzt die belgische Armee das Fort ab und zu, um darin Soldaten unterzubringen. In Vorbereitung auf einen neuen Krieg stellt die Armee fest, dass die Forts aus dem Verteidigungsgürtel rund um Antwerpen nicht länger an die Anforderungen der modernen Kriegsführung angepasst werden konnten. Die Armee wählt das Fort als eventuellen Standort für den König und seine Heeresleitung im Falle einer Invasion des Landes.

Der Zweite Weltkrieg

Am 10. Mai 1940 um 8:30 Uhr kommt König Leopold III., Oberbefehlshaber der Armee, in Breendonk an. Von dort aus richtet der König seine Rede an das Land. Er empfängt dort auch die Befehlshaber des siebten französischen Heeres und der Britischen Kriegsmacht, die jeweilig auf der rechten und linken Flanke der belgischen Armee aufgestellt waren. Unter ihnen, General Billotte, der Befehlshaber der Heeresgruppe Nord war, zu der die Belgische Armee seit dem 12. Mai hinzugefügt worden war.

Am 16. Mai gibt General Billotte den Befehl die Verteidigungslinie Antwerpen-Namur aufzugeben, da die Situation durch den Durchbruch bei Sedan unhaltbar geworden war. Um Mitternacht verlassen die ersten Mitglieder des Generalstabs das Fort. Am 17. Mai wird die gesamte Heeresleitung in die Umgebung von Gent verlegt.

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