Eine dauerhafte Renovierung

Im Jahr 2003 wurde das Fort von Grund auf renoviert mit dem Auge auf eine noch bessere Überlieferung unserer Botschaft. Das beabsichtigte Resultat war zweifach. Einerseits wollte die Gedenkstätte, unter Berücksichtigung der Spezifität der politischen und rassistischen Verfolgung, die Geschichte der deutschen Unterdrückung und ihrer Opfer erzählen. Andererseits war es die Absicht, die Nationale Gedenkstätte Fort Breendonk zu einem Reflexions- und Diskussionsmittel auszubauen, das auf den heutigen politischen und sozialen Kontext übertragbar sein sollte.

Vor 2000 war der historische Rundgang veraltet, die Archivdokumente befanden sich in einer unbeschreiblichen Unordnung, keine einzige gründliche wissenschaftliche Studie wurde zur Geschichte des Nazi-Lagers durchgeführt, die Besucherzahl schaukelte um 55.000 pro Jahr und die Reputation der Gedenkstätte musste sowohl bei der großen Öffentlichkeit als auch in der akademischen Welt wiederhergestellt werden. Im Hinblick auf die Situation beschloss der Aufsichtsrat 1998, zu einer gründlichen Renovierung der Gedenkstätte überzugehen und Professor Emeritus Roger Coekelbergs und wurde zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats ernannt und offiziell mit der Renovierung beauftragt.

Der Rundgang, zu dem die Besucher eingeladen wurden, erforderte eine komplett neue Herangehensweise und eine völlig neue Route, um die Geschichte des Forts unter der Besatzung wieder zum Leben zu erwecken: Es bedurfte einer auf den Besucher abgestimmte Herangehensweise, sodass nicht länger nur die Mauern von den Geschehnissen zeugen sollten.

Alle verfügbaren Räume mussten in den Rundgang mit aufgenommen werden und den Besuchern in einer chronologischen Logik erklärt werden. Hierbei sollten neue pädagogischen und museologische Mittel, mit Respekt vor der ruhigen Atmosphäre der Stätte, genutzt werden.

Anfang des Vorjahres 2002 wurde mit der Renovierung des Rohbaus gestartet: Platzieren einer wasserdichten Beschichtung auf den Dächern, Anpassung an die geltenden Vorschriften und Ausbau der elektrischen Installation. Das Empfangsgebäude erforderte einen völlig neuen Ansatz und musste von Grund auf erneuert werden.

Ein erneuerter Rundgang

Dank der intensiven Zusammenarbeit zwischen dem Museologen Paul Vandebotermet und Historiker Patrick Nefors wurde ein neuer Rundweg entwickelt. Dieser Rundweg führt die Besucher sowohl chronologisch (von 1940 bis 1944) als auch thematisch: jeder Schlafsaal hat fortan ein eigenes Thema: der Saalleiter, Ein Tag in Breendonk, Hunger, Bettenbau, Postboten, Brüderlichkeit im Saal, Valère Devos, Hinrichtungen, das Revier = die Krankenstation. Alle Räume sind von nun an geöffnet und mit Fotos versehen (ca. 7000 und 3 große Bildschirme von 25 m²). Am Ende des Rundgangs ersetzen drei Säle das veraltete Museum. Diese geben tiefe Einsicht in folgende Themen: „Eine Porträt-Galerie von 20 Fortgefangenen“, „Breendonk, ein Zahnrad in der Welt der Konzentrationslager“ und „das befreite Breendonk“.

Museologie

Die Wahl fällt auf eine schlichte Museologie, die die Tragik der Stätte vollständig respektiert. Der Besuch wird diskret durch moderne audiovisuelle Mittel unterstützt, jedoch ohne zu deutlich präsent und sichtbar zu sein, denn anders würde die Atmosphäre der Stätte in Bedrängnis geraten. Auch wird der prinzipielle Beschluss gefasst, Audioguides an Stelle von einem zu schweren und komplizierten System aus Tafeln zu gebrauchen.

Einweihung

Am 6. Mai 2003 ehrt seine Majestät der König Albert II die Gedenkstätte mit seiner Anwesenheit, um persönlich den neuen Besuchsrundgang einzuweihen in Gesellschaft von Verteidigungsminister, André Flahaut, Ministerpräsident der flämischen Gemeinschaft, Patrick Dewael, Gouverneur der Provinz Antwerpen, Camille Paulus, und Bürgermeisterin von Willebroek, Frau Elsie Dewachter.

Seither erzählt die Gedenkstätte nicht nur die Geschichte einer wichtigen Periode der Vergangenheit, sie will auch ein Instrument für jeden sein, der verstehen will, wie totalitäres Gedankengut entgleisen kann. Ein Besuch der Gedenkstätte lässt zu, zwischen dem historischen Kontext und der Gegenwart Parallelen zu ziehen. Erziehen zu einem bürgerlichen Geist bleibt daher die Hauptaufgabe dieser Stätte.

Erneuerungen und Anpassungen in der Gedenkstätte

Es spricht für sich, dass eine Stätte, die jährlich 100.000 Besucher willkommen heißt, bleibend investieren und renovieren muss. Mit der Unterstützung der Nationalen Bank wurden in den letzten Jahren verschiedene Säle und Paneele renoviert. So wurde der Saal „Ich bin keine Nummer“, in dem die Besucher Daten von Alt-Gefangenen abrufen können, vollständig renoviert und mit neuer Technologie ausgerüstet. Außerdem ist eine Kammer mit „sprechenden Betten“ ausgerüstet: ein ergreifendes Zeugnis von Alt-Gefangenen. Mit der finanziellen Unterstützung eines Alt-Gefangenen wurde der Saal „Ein Tag in Breendonk“ auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Mit der finanziellen Unterstützung des gemeinnützigen Vereins „Freunde von Fort Breendonk“ wurden die Empfangssäle für Schulen erneuert und mit neuem Mobiliar eingerichtet und ein Banner mit den 301 Gefangenen, die durch Not, Exekution und Hängen umkamen, neulich eingeweiht.

Das technische Personal macht von der Gelegenheit, dass es jetzt in dieser Coronaperiode ruhiger ist, Gebrauch, um bestimmte Renovierungen, die die Besucher stören könnten, durchzuführen. So wurde kürzlich der Parkplatz neu angelegt, der Rundgang um das Fort für Rollstuhlfahrer angepasst, wurden die Wachhäuser und der Wagon neu eingekleidet und der Eingang zum Fort komplett aufgefrischt.

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