Wie erleben Sie einen Besuch im Fort?

Auf den Innenwänden von Fort Breendonk stehen alle Namen. Sie sind anonym und stammen aus einer längst vergangenen Zeit. Doch je weiter Sie ins Fort eindringen wird die Anonymität gebrochen, bekommen die Namen Gesichter, erzählen sie grausame Geschichten und Sie kommen der Vergangenheit stets näher.

So viele Namen... so vile Opfer

Eine andere Bestimmung

Das belgische Fort Breendonk, etwas südlich von Antwerpen, wurde vor ungefähr einhundert Jahren errichtet, um Menschen fernzuhalten. Später, während des Zweiten Weltkriegs, wurde es gerade dazu eingesetzt, Männer und Frauen innerhalb zu halten. Die deutsche SS hatte das Fort in Besitz genommen, um ein Konzentrationslager daraus zu machen. Juden, Kommunisten, Widerstandskämpfer und andere Gefangene landeten in dieser Hölle, die sowohl von deutschen als auch flämischen SS’lern geführt wurde. Breendonk war bekannt als ein Gefängnis, in dem außergewöhnlich viel Gewalt gegenüber den Häftlingen angewandt wurde.

Der Eingang des Forts

Um das Fort zu betreten, müssen Sie erst an einem Zaun mit Stacheldraht vorbei. „Halt! Wer weiter geht wird erschossen“ steht dort in drei Sprachen geschrieben. Danach überqueren Sie eine Brücke, wonach Sie sich in einer Art Tunnel befinden, der zu langen Korridoren mit auf beiden Seiten Zellen und anderen Räumen führt. Für die Menschen, die hierhin kamen, gab es wenig Licht am Ende des Tunnels. Doch Fort Breendonk war kein Vernichtungslager. Von den ungefähr 3600 Gefangenen, die in den Kriegsjahren im Fort verweilen, überleben vor Ort etwas mehr als 300. Sie erlagen dem Hunger oder den Misshandlungen, wurden exekutiert oder gehängt. Andere Insassen wurden in die berüchtigten Konzentrationslager in Europa deportiert, wo die meisten umkamen. Mehr als die Hälfte aller Breendonk-Gefangenen sollten den Krieg nicht überleben…

Halt!
Endlose Gänge

Völlig authentisch

Das Fort ist erschreckend authentisch. Vieles ist über die Zeit erhalten geblieben. In den Bleiben der Gefangenen stehen noch immer die Stockbetten mit Strohsäcken. Die Folterkammer beinhaltet immer noch die Folterwerkzeuge, die verwendet wurden, um Geständnisse zu erzwingen. Oft auch wurden sie gebraucht, weil die Wachen einfach Spaß am Foltern hatten. Die Rillen im Boden für den Abfluss von unter anderem Blut lässt Sie erschauern. Die Isolierzellen sind klein und unmenschlich. Der Galgen und der Exekutionsplatz stehen noch so wie in Zeiten des Krieges und zeugen in Stille von den Verbrechen, die von den Wachen begangen worden sind.

Gemachte Stockbetten
Die Folterkammer

Henker

SS’ler, Deutsch und Flämisch, genossen es, Gefangene zu schlagen, zu demütigen, zu misshandeln und sogar zu töten, häufig ohne jeglichen Grund. Auch der Hund des deutschen Lagerkommandanten wird eingesetzt, um Häftlinge zu beißen. Die Aussagen von sowohl Opfern als auch Tätern sind schockierend. Während des Rundgangs durch das Fort kommen diese Erzählungen über den Audioguide immer wieder auf. Sie können die Geschichten lesen und Sie können sie hören, wobei Sie Empörung über die Rolle der Henker treffen wird. Manche Gefangenen bekamen auch ein wenig Verantwortung und beteiligten sich wiederum an den Gewalttaten.

Flämische Henker

Die Mauern mit den Namen der Gefangenen befindet sich im Gang, im Saal zu Ihrer Linken, zu Beginn des Besuchs, im selben Raum mit Urnen mit Asche der Opfer der Konzentrationslager darin. Ironisch genug befindet sich auf der Gegenseite der Raum, in dem sich die SS’ler gerne aufhielten. Der Deutsche Reichsadler, das Hakenkreuz, der SS-Totenkopf und die Inschrift „Meine Ehre heißt Treue“ sind noch immer im ehemaligen Entspannungsraum zu sehen, neben großen Fotos von Widerstandskämpfern, die hier vor Gericht gestellt und später im Fort hingerichtet wurden.

Fotos von Helden im Entspannungsraum

Schuld und Buße

Sobald Sie die Brücke überqueren und sich im Herzen von Fort Breendonk wiederfinden, werden Sie sehr bald in eine Geschichte von Schuld und Buße eintauchen. Die Brutalität der Wachen gibt Ihnen das Gefühl, sich dagegen wehren zu müssen. Die Frage, die hier gestellt werden muss, ist: „Was hätte ich getan?“

Seitenansicht des Forts
Der Eingang von der metallenen Brücke aus

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